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Interdisziplinäre Grundlagenforschung
Gesellschaftspolitisches Handeln im Sinne der Kinder

Identität und Identitätsprozesse in vielfältigen Erfahrungswirklichkeiten.
In Gesellschaften in Transition.



Kindheit und Gesellschaft - beide Begriffe verweisen auf Vielheit: Auf Kindheiten, auf Gesellschaften. Lebenswelten von Kindern unterscheiden sich in hohem Ausmaß nicht nur danach,
in welcher der globalen Hemisphären sie aufwachsen. Auch innerhalb der jeweiligen Lebensräume klaffen erhebliche Unterschiede. In allen Erdteilen scheinen sich die Subsysteme von Kinderkulturen zunehmend auseinander zu entwickeln. Während bestimmte Phänomene wie Migration und Armut verstärkt Probleme aufwerfen, verzeichnen andere eine gegenläufige, günstige Entwicklung.


Die Aufmerksamkeit für das Wohl von Kindern erhöhte sich in der vergangenen Generation in einem vorher nie gekannten Maß, die Einsicht in ihre Bedürfnisse stieg sprunghaft an. Der Zuwachs an Erkenntnis führt noch nicht zu einem grundsätzlich gesicherten Wohl der Kinder, zeitigt aber durchaus positive Auswirkungen. Nicht zuletzt unterstützt die UN-Kinderrechtskonvention den Schritt, die Gestaltung kindlicher Lebensbedingungen aus der Hoheit des
familiären Privatlebens herauszuheben und zur global anerkannten Rechtsfrage und gesamtgesellschaftlichen Verantwortung zu erklären. Damit wird anerkannt, dass Kinder von Beginn an Menschen sind, nicht Menschwerdende - mit gleichen Rechten wie alle Menschen, vermehrt um eine besondere Schutzwürdigkeit.


Dieser Schritt, tief spannungsgeladen, vollzieht sich in einem Konflikt, mit dem sich moderne Gesellschaften auf unterschiedlichen Ebenen konfrontieren müssen. In Frage steht, wie sich die Natur und Rechtssphäre des Einzelnen zur Natur und Rechtssphäre der Gruppe verhält. Im Falle der Kinder muss das Verhältnis zu den Rechten von Eltern (Erziehenden) und dem System Familie oder Institution geklärt werden. Im kulturellen Miteinander findet ein Ringen statt um Rechte religiöser und kultureller Gruppen im Verhältnis zu Religionsfreiheit und Recht auf Chancengleichheit des Einzelnen; im ökonomisch-ökologischen Miteinander müssen die Rechte von Menschen unterschiedlicher Kontinente ausgeglichen werden, die Vernutzung von Natur (de Mause) durch den Einzelnen muss aufgrund der Notwendigkeiten des ökologischen Ausgleichs begrenzt werden.
 
Hier angemessene Antworten zu finden – denkend, handelnd -, gehört zu den großen gegenwärtigen Herausforderungen: Es entscheiden sich daran unser Menschenbild und Selbstverständnis, unsere Identität. Im Bemühen, das Verhältnis von Kindern, von Kindheiten und Gesellschaften einzuschätzen, unternehmen wir in diesem Sinne einen „vermessenen“, gleichwohl unausweichlichen Versuch. Wir suchen nach einem Verständnis für anthropologische Konstanten, die als Grundvoraussetzungen des Kindeswohls gelten können (vgl. Martin Dornes 2007). Dieser Versuch soll uns ermöglichen, Wege zu beschreiten, die Welt der Kinder günstig zu gestalten und letztlich Kindern selbst Gestaltungsräume zu öffnen, in denen sie sinnhaft antworten auf die Frage, wer wir Menschen sind.