Gedanken

Dr. Gerhard König | Obmann WdK

(In der Eröffnungsrede zum Symposium Kindheit und Trauma I, Oktober 2000)

„Das Kind, Kindsein, Kindheit.
Das Dasein eines Kindes.

Die Wahrnehmung von Daseinsformen,
die sich von unserer eigenen gegenwärtigen unterscheiden,
wesenhafte Daseinsformen in Gestalt und Erscheinung von Kindern.

Aber auch unser Dasein als Kinder.
Wir selbst als Kinder, unsere Entwicklung,
das Wirken unserer eigenen Kindheit in unserem jetzigen Leben.

Kindsein, ein Reich der Möglichkeiten,
eine wundersame Daseinsform,
die in ihrem Ausgang wundersam ist
und in ihrer Entwicklung wundersam bleibt.

Der Keim des Lebens, der in der Kindheit liegt,
In den beginnenden lebenden und lebendigen Jahren seiner Existenz.

Jegliche personale und jegliche soziale Wirklichkeit
und Verwirklichung ist als Keim in diese Zeit gelegt,
die so verwundbar ist.

Veränderungen, Verbesserungen einer individuellen Existenz
und sozialer, gesellschaftlicher Wirklichkeiten
gelingen nur im Schutz und in der Fürsorge für diese Zeit,
für diese besonders verwundbare Zeit.

Möge es uns gemeinsam, gemeinsam mit Ihnen, gelingen,
Kindern Schutz und Fürsorge zu ermöglichen.“



Dr. Hans Keilson | Arzt, Kinderpsychiater, Psychoanalytiker, Autor

(Keynote-Sprecher zum Symposium Kindheit und Trauma I / Jahr 2000 - Zitiert aus seinem Buch: 'Sequentielle Traumatisierung bei Kindern' - Hans Keilson; Enke Verlag; 1979)

„Leid, das Erwachsene einander im Bereich mitmenschlicher Beziehungen und gesellschaftlicher Verhältnisse auf zuweilen grausame Weise zufügen, ruft bei dem Untersucher, der sich mit menschlichen Verhaltensweisen beschäftigt, das Verlangen hervor, leiderzeugende Umstände zu verändern und ihre Ursachen wegzunehmen. Neben den Regungen des Entsetzens und der Trauer über die Unvollkommenheit der menschlichen Natur, die auch sein Teil ist, und gesellschaftlicher Ordnungen, an denen er Anteil hat, wird ihn hierbei nie das Bewusstsein verlassen, dass es zugleich auch gilt, bis zu einem gewissen Grad Unvollkommenheit zu ertragen.

Leid jedoch, Kindern angetan, ist schlechthin unerträglich“.